Bedürfnisorientierte Erziehung – Was ist das und wie setze ich sie mit meinem Baby oder Kleinkind um?

Lies in diesem Beitrag, was es mit der bedürfnisorientierten Erziehung auf sich hat und wie du diese mit deinem Kind leben kannst.

Bedürfnisse eines Babys oder Kleinkindes zu erkennen und zu erfüllen, scheint sich als eine echte Masteraufgabe für Eltern darzustellen. Gleichzeitig gibt es viele Meinungen dazu, wie Kinder am besten erzogen werden. In diesem Beitrag nehme dich mit auf eine Reise einer bekannten Methode und spreche über die bedürfnisorientierten Erziehung.

Inhaltsverzeichnis

Mädchen im Kleinkindalter steht vor einer weißen Wand und schaut sich seinen Schatten an
Foto: unsplash.com

Was ist bedürfnisorientierte Erziehung überhaupt?

Erziehung ist kein Fahrplan. Kein Modell, an dem sich Eltern starr klammern können und von A bis Z durchlaufen, ohne eigene Persönlichkeit einzubringen. Erziehung bedeutet immer Beziehung, Bindung und Fürsorge. Jede Familie und jedes Individuum muss individuell betrachtet werden. Die bedürfnisorientierte Erziehung wünscht sich, keines der Individuen in eine Schublade zu stecken, mit einem Marker zu verzieren und dann die Klappe zu schließen, in der Hoffnung, so ein selbst-sicheres und selbst-bewusstes Kind heran ziehen zu können.

Bedürfnisorientierte Erziehung ist also genau das, was sie aussagt: Kinder werden an ihren Bedürfnissen orientiert erzogen.

Was heißt das übersetzt? Es gibt keine Machtspielchen zwischen Erwachsenen und Kindern. Das immer noch weit verbreitete Bild, Erwachsene müssten „das Sagen“ über Kinder haben, oder „ihnen zeigen wo es lang geht“, oder „den Ton angeben“, ist in der bedürfnisorientierten Erziehung so nicht mehr gewollt. Natürlich müssen Eltern ihren Kindern zeigen, wo es lang geht – woher sollen sie es sonst wissen. Jedoch nicht in diesem scharfen und negativen Kontext gedacht. Kinder brauchen Orientierung im Leben, Halt im Alltag, Sicherheit, liebevolle und beständige Eltern. Und vor allem brauchen sie das Gefühl, ernst genommen zu werden. Sie wollen anerkannt, gehört, verstanden werden.

Bedürfnisorientierte Erziehung meint, als Elternteil die individuellen Bedürfnisse des eigenen Kindes wahr zu nehmen, sie einzuordnen und entsprechend zu reagieren.

Was war das mit diesen Grundbedürfnissen?

Wenn wir über eine bedürfnisorientierte Erziehung sprechen, müssen wir natürlich erst einmal über die Grundbedürfnisse von Kindern sprechen. Die bedürfnisorientierte Erziehung ist darauf ausgelegt, sich sinnvoll, nah und gemeinschaftlich auf die Erfüllung dieser Bedürfnisse zu konzentrieren.

Abraham Maslow

Grundbedürfnisse eines jeden Menschen sind (nach dem Psychologen Maslow- von ihm hast du sicher schon in deiner Schulzeit einmal gehört):

  1. physiologische Bedürfnisse (alles, was zum Erhalt des Lebens notwendig ist)
  2. Sicherheitsbedürfnisse (inklusive körperlicher, seelischer, finanzieller… Sicherheit)
  3. soziale Bedürfnisse (Beziehungen, Kommunikation, Platz in einer Gruppe,…)
  4. Individualbedürfnisse (Anerkennung, Macht, Wertschätzung, Status…)
  5. Selbstverwirklichung (Streben nach Weiterentwicklung, Lernen, über sich hinaus wachsen…)

(bitte informiere dich selbständig, wenn du noch tiefer in Maslows Erkenntnisse eintauchen möchtest, z.B. hier )

PNG von Philipp Guttmann , SVG von Jüppsche, Public domain, via Wikimedia Commons

Maslow hat damals festgestellt, dass die nächste Stufe der Pyramide jeweils erst erreicht werden kann, wenn die vorherige Stufe gestillt bzw. befriedigt ist. Das heißt im Umkehrschluss, dass die Selbstverwirklichung das höchste Gut ist – und für uns als Erwachsene das höchste Ziel, Kinder zu dieser Stufe zu begleiten. Wir sind also maßgeblich dafür verantwortlich, dass die vorherigen Bedürfnisse unseres Kindes gestillt werden.

Falls du nun für einen Moment ins Stocken kommst, lass dir sagen: Natürlich gibst du deinem Kind Essen, einen Schlafplatz, Nähe und Aufmerksamkeit. Doch es gehört eben noch viel mehr dazu, die (mit dem Alter steigenden) Bedürfnisse deines Kindes zu erfüllen.

Stanley Greenspan und Berry Brazelton

Brazelton und Greenspan haben abermals 7 Bedürfnisse von Kindern detaillierter festgeschrieben:

  1. Das Bedürfnis nach beständigen liebevollen Beziehungen
  2. Das Bedürfnis nach körperlicher Unversehrtheit und Sicherheit
  3. Das Bedürfnis nach individuellen Erfahrungen
  4. Das Bedürfnis nach entwicklungsgerechten Erfahrungen
  5. Das Bedürfnis nach Grenzen und Strukturen
  6. Das Bedürfnis nach stabilen und unterstützenden Gemeinschaften
  7. Das Bedürfnis nach einer sicheren Zukunft für die Menschheit (hier: Zukunftssicherung)

Es wird also deutlich, dass die bedürfnisorientierte Erziehung (neben anderen Erziehungsstilen) ein breites Spektrum an Themen abdecken (möchte), um Kinder so ganzheitlich wie möglich heran wachsen zu lassen.
Doch wie schaffen wir Erwachsenen es, diese große Aufgabe zu übernehmen?
Ist es überhaupt möglich, bedürfnisorientiert zu erziehen?

Wie erziehst du bedürfnisorientiert?

In der Bedürfnisorientiertheit stellt sich weniger die Frage nach Erziehung, sondern eher nach der eigenen Haltung und dem Leben.

Entgegen verschiedener Meinungen, Bedürfnisorientiertheit würde „die Kinder weich machen“ oder „Eltern würden sich dadurch an der Nase herum führen lassen“, ist die innere Haltung einer jeden Person und die gesamte Atmosphäre in einer Familie sehr harmonisch.

Es geht um ein Leben auf Augenhöhe, gemeinsam Hand in Hand. Familienleben, in dem genau auf jedes Individuum geachtet wird: sowohl auf die Kinder, als auch (und ganz wichtig!) auf die Eltern. Alle Familienmitglieder sind es wert, gehört zu werden. Sie sollen ihre Empfindungen und Bedürfnisse äußern können, mit den anderen Beteiligten in Kontakt treten; vielleicht auch diskutieren und dann herausfinden, ob und wie ihre Bedürfnisse gestillt werden können.

Dein Weg der bedürfnisorientierten Erziehung

Wenn du dich dafür entscheidest, den Weg der bedürfnisorientierten Erziehung mit deinem Kind zu gehen, heißt das keineswegs, ihm alle seine Wünsche blind zu erfüllen, ohne über mögliche Konsequenzen nachzudenken. Vielmehr lernst du von Anfang an, aufmerksam auf die kleinen Zeichen deines Säuglings zu achten, ihm alle wichtigen Bedürfnisse zu erfüllen und dafür zu sorgen, dass es sich sicher und aufgehoben fühlt.

Aussagen wie „der muss auch mal schreien!“ oder „dein Säugling hat dich jetzt schon im Griff“ solltest du hierbei ganz weit von dir weg schieben. Merke dir bitte immer den Satz: ein Kind kann nie, NIEMALS zu viel Nähe, Liebe oder Sicherheit vermittelt bekommen!

Natürlich verändern sich die Bedürfnisse deines Kindes mit wachsendem Alter, werden komplexer und anspruchsvoller. Hier gilt es immer wieder, auch ganz aufmerksam auf dich zu achten, wie gut es dir damit geht und wie sehr du deine Bedürfnisse zurückstellen musst (frage dich immer: musst du dein Bedürfnis wirklich zurück stellen? Schafft ihr es nicht eher, einen Kompromiss zu finden, der beide Bedürfnisse befriedigt?)

Kompromissbereitschaft

Und wenn ich hier schon einmal von Kompromiss spreche, ist es wichtig zu wissen: bedürfnisorientierte Erziehung bedeutet immer, im Austausch miteinander zu sein. Wenn ich einerseits sage, die Bedürfnisse deines Kindes müssen erfüllt werden, und andererseits aber darauf hinweise, die Bedürfnisse deines Kindes nicht ohne einen Blick auf die Umwelt blind zu erfüllen, dann heißt das: immer im Gespräch, in Diskussion, in Austausch zu sein, um eine angemessene Lösung, eine sinnvolle Erfüllung der Bedürfnisse zu finden.

Kompromissbereitschaft lernt dein Kind erst mit den Jahren; spürt es allerdings, dass seine Bedürfnisse dennoch wahr genommen und akzeptiert werden; und sieht es, wie du mit deinen Bedürfnissen und deren Erfüllung umgehst; lernt es eine gesunde Weise, mit seinen eigenen Bedürfnissen und deren (nicht) Erfüllung umzugehen.

Baby auf Decke mit Spielzeug bedürfnisorientierte Erziehung
Foto: unsplash.com

Deine To Do’s

Was bedeutet das im Detail:

  • hör und vertrau auf dein Bauchgefühl
  • beobachte dein Baby/ Kleinkind genau und lerne seine (Körper) Sprache kennen
  • vermeide es, dich blind an strikte Zeiten (z.B. beim Stillen, zu Bett gehen usw.) zu halten
  • mach deinem Kind Zugeständnisse, sofern niemand Schaden davon nimmt
  • löse dich von deinen eigenen, festgesetzten Erwartungen an Erziehung
  • unterscheide zwischen Bedürfnissen (z.B. nach Nähe) und Wünschen (z.B. nach einem Spielzeug im Laden)
  • wahre deine eigenen Grenzen (und die deines Kindes)
  • schau, was individuell zu euch als Familie passt (und nicht, was Familie xy tut)

Denk immer daran: es geht nicht darum, die beste Familie mit festgefahrenen Vorstellungen zu werden, sondern darum, flexibel, liebevoll und achtsam miteinander umzugehen.

Gab es die bedürfnisorientierte Erziehung früher schon?

Die bedürfnisorientierte Erziehung wird oft als Trend oder aktuelle“moderne“ Welle bezeichnet. Doch das ist sie keineswegs.
Schon in den 1980er Jahren wurde sie unter Attachment Parenting in den Vereinigten Staaten bekannt. Diese Art der Erziehung wird also schon viele Jahre von Eltern gelebt.
Das Gebiet des Attachment Parenting umfasst nochmals gewisse Theorien und Methoden, welche sich kaum von unserem Verständnis von bedürfnisorientierter Erziehung unterscheiden.

Das die bedürfnisorientierte Erziehung heutzutage so boomt und als bloßer Trend in Erscheinung tritt, könnte daran liegen, dass sich unsere Gesellschaft und damit einhergehend natürlich auch die Elternschaft, Familienleben und die Sicht auf Kinder immer weiter verändert und weiter entwickelt. Das erregt Aufmerksamkeit.
Zum Glück – denn wie wir wissen, sind veraltete, strenge und gewaltsame Methoden aus der Vergangenheit absolut nicht mehr zeitgemäß und nicht zu akzeptieren.

Nachteile von bedürfnisorientierter Erziehung

Wie in jeder Art und Weise der Erziehung – in allen Themen des zwischenmenschlichen Zusammenseins – ist der einzige Nachteil der bedürfnisorientierten Erziehung, als erwachsene Person ein Muss daraus zu machen.

Manche Eltern verfallen in regelrecht sektenartige Verhaltensweisen, kritisieren und machen andere Eltern schlecht, die nicht haargenau so handeln wie sie es selbst tun würden. Das Problem ist nicht die Idee dieser Erziehungsmethode, sondern wie Eltern diese Idee umsetzen und damit umgehen. Es bringt niemandem etwas, sich gegenseitig schlecht zu machen, sich zu mobben, Hilfesuche zu degradieren und sich selbst für allwissend zu halten. Jede Familie ist individuell, jedes Kind braucht seine eigene Art der Erziehung, und niemandem ist es gestattet, fies und herablassend über andere Eltern zu urteilen.

Schau also, wenn du dich in der weiten Welt des Internets herum treibst, in Foren liest (oder schreibst), auf social media aktiv bist oder Blogbeiträge (wie den meinen) liest, dass du dir selbst immer noch klar bist, dich und deine Familie reflektieren kannst, die Tipps und Hinweise auf euch übertragen kannst und dich von extremen Elternbewegungen distanzierst. Zu deinem Wohle, und auch zum Wohle deines Kindes.

Meine Erkenntnis

Am Ende wissen wir alle, dass es nicht die eine und einzig richtige Art der Erziehung für Kinder gibt. Der Umgang mit Kindern ist immer eine Mischung aus persönlichen Erfahrungen/ Vorstellungen und vielen verschiedenen Methoden von vielen verschiedenen Erziehungsstilen, die sich die Menschheit so einfallen lässt. Wie so oft: die Mischung machts.

Doch wenn wir Erwachsenen bewusst und offenen Verstandes in die Kindererziehung gehen, weg von starren und veralteten Mustern, dann schaffen wir es, in sich gefestigte, selbst-bewusste und selbst-sichere Kinder heran zu ziehen, welche sich als Erwachsene gut in der Welt zurecht finden und ihre positiven Erfahrungen der Erziehung (hoffentlich) weiter geben.

Möchtest du tiefer in die bedürfnisorientierte Erziehung eintauchen und schauen, wie das im Detail bei dir und deinem Baby oder Kleinkind aussehen könnte? Dann schreibe mir gerne eine Mail und ich nehme dich an die Hand!


Ich freue mich, dass du hier bist!
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Alles Gute,
Juliane

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